Du bist Terrorist!
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Einige Thesen, nur zur Anregung:
1. Aufgrund des bisher hervorragenden Bildungssystems ist Deutschland zu “Exportweltmeister”, denn wir produzieren und erfinden Dinge, die die Welt scheinbar braucht.
2. Diejenigen, die die heutigen Ingenieure (etc.) sind, haben bis vor kurzem keine Studiengebühren bezahlt. Warum sollte die Situation durch Gebühren besser werden, wenn Leute nun vom Studium abgeschreckt werden? Tatsächlich ist es so, dass gesehen auf die Gesamtzahl der Schulabgänger derzeit weniger Schulabgänger ein Studium beginnen. Einen Zuwachs an Studierenden gibt es derzeit nur, weil einerseits sehr geburtenstarke Jahrgänge und andererseits Abiturienten mit dreizehn als auch mit zwölfjähriger Schullaufbahn die Schule beenden und an die Unis kommen.
3. Ein Großteil der Studiengebühren geht in der Verwaltung ebendieser Gebühren verloren.
4. Durch die ohne Sinn und Verstand eingeführten Bachelorstudiengänge werden die Studenten in den alten Magister und Diplomstudiengängen diskriminiert. In den Vorlesungsverzeichnissen findet man unter den Lehrveranstaltungen für Magister/Diplom teilweise nur den Hinweis auf Lehrveranstaltungen der Bachelorstudiengänge. Damit gehen 2 Jahrgänge einfach drauf, denn Sie werden nicht mehr durch geeignete Informationen in ihrem Studium unterstützt. Es kostet zuviel, ein Vorlesungsverzeichnis für BA/MA UND die auslaufenden Magister/Diplomstudiengänge anzubieten.
5. Nur ein Bruchteil der Studenten aus Deutschland geht wirklich ins Ausland und wenn, dann kommen Sie später meist noch besser ausgebildet wieder zurück! Diese Investition ist also a) nicht verloren und b) fördert den internationalen Austausch von Forschung und Lehre. Sowas wirkt Anregend auch für die heimische Forschung. Darüberhinaus kann man das Abwandern von Forschern ins Ausland auch als Kulturexport verstehen, was aus Sicht der Politik nicht unbedingt negativ zu bewerten ist.
6. Sicherlich gab es Langzeitstudenten, die das Image der Studierendenschaft teilweise beschädigt haben (ähnlich den arbeitslosen “Sozialschmarotzern”). Die Einführung von Studiengebühren für Langzeitstudierende war sicherlich gerechtfertigt und sinnvoll, wurde jedoch wieder zurückgenommen. Die Einführung und nach nur zwei Semestern erfolgte Abschaffung der Langzeitstudiengebühren schufen einen erheblichen Verwaltungs- und Kostenaufwand.
7. Vor Einführung der Gebühren wurde argumentiert, der Staat habe kein Geld, um die Bildung – also die Zukunft – zu finanzieren.
In diesem Jahr werden hunderte Milliarden für die – kurzfristige! – Finanzierung des Bankensektors ausgegeben und verbrannt. Wer weiss schon, ab das langfristig überhaupt Sinn macht?! Die Finanzierung von Bildung durch den Staat würde langfristig zu deutlich mehr Erfolg führen.
8. Zwei Entwicklungen: a) Um ein Studium zu finanzieren, muss man nun auch Geld für die Studiengebühren aufwenden. b) Die neuen Studiengänge sind stark verkürzt (BA+MA entspricht einem klassischen Diplom/Magisterstudium) und komprimiert, d.h. wenige Studenten haben die Möglichkeit auch neben ihrem Studium zu arbeiten, um ihr Leben zu finanzieren.
Durch diese zwei Entwicklungen müssen viele Studenten Schulden (bei den Banken) aufnehmen. In Zusammenhang mit Punkt 8 erscheint mir die heutige Ausbildungspolitik unsozialer, als im Rahmen der “Sozialen Marktwirtschaft” vorgesehen. Nicht das Soziale steht im Vordergrund, sondern der (kapitalistische) Markt. Nun hat leider die weltweite Finanzkrise gezeigt, dass Geld nicht alles ist und Zwischenmenschlichkeit ein höheren Wert hat als Geld. Nur die Solidarität mit den schlechter gestellten Mitmenschen macht das eigene Leben Lebenswert. Durch Luxusyachten und mehr Macht wird niemand (oder nur ganz ganz wenige) wirklich glücklich.
9. Mit Studiengebühren soll das Kernangebot der universitären Lehre um Zusatzangebote erweitert und verbessert werden. Leider fließen die Studiengebühren aber nicht in die Erweiterung sondern in das Basis. Gleichzeitig ziehen sich die Landesregierungen aus der Finanzierung von Forschung und Lehre zurück: die Ausbildungsbedingungen verbesssern sich also nicht und eine Erhöhung der Studiengebühren (“wir brauchen mehr Geld”) ist absehbar.
10. “Wissen ist Macht”. Macht darf in einer Demokratie nicht durch wenige Monopolisiert werden, z.B. durch Geld und Ungleiche Zugangsmöglichkeiten zu Bildung, sondern muss beim Volk (griech. Demos) liegen. Im Grundgesetz sind die Grundrechte der Menschen aus der Sicht des deutschen Staates festgehalten:
Artikel 1:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
…Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
…Artikel 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
…Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. [...]
…
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.Artikel 14
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.Artikel 18
Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Absatz 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Absatz 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8) [...] zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte.
Studiengebühren widersprechen mittelbar (Art. 1 Abs 1,2; Art. 2; Art. 3)und teilweise unmittelbar (Art. 5) diesen Grundrechten!
Betrachtet man Art. 14 und zugleich die zunehmende Anzahl an Millionären und Milliardären bei gleichzeitig schrumpfender Mittelschicht und sich verbreitender Armut in Deutschland, kann man nur feststellen, dass diejenigen, die sich am Wohlstand laben, ihrer Verpflichtung für die Gesellschaft nicht oder nur ungenügend nachkommen.